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DAK
Nagelsweg 27 -31
20097 Hamburg DAK warnt vor bedenklichen Gesundheitstrends bei jungen ArbeitnehmernPressemitteilung vom 5.5.2011
Der Krankenstand in Sachsen lag 2010 mit 3,9 Prozent auf dem gleichen Niveau wie ein Jahr zuvor. Ein DAK-Versicherter fehlte im vergangenen Jahr durchschnittlich 14,4 Tage. „Der Trend zu steigenden Krankmeldungen wurde nach drei Jahren in 2010 endlich gestoppt. Dennoch gibt es einige Auffälligkeiten: Insbesondere die Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen sind gestiegen“, kommentiert Markus Saur, DAK-Landeschef in Sachsen die Entwicklung. Die Krankschreibungen aufgrund von Depressionen und Co. führten 2010 zu 16 Prozent mehr Fehltagen. 2009 lag der Anstieg lediglich bei zwei Prozent. Gut jeder zehnte Fehltag in sächsischen Betrieben wurde 2010 durch psychische Erkrankungen verursacht. Neben Seelenleiden sind in Sachsen auch Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems gestiegen: 2010 legten Fehltage im Vergleich zum Vorjahr mit zehn Prozent überproportional zu. Demgegenüber gab es In Sachsen rund 16 Prozent weniger Fehltage durch Erkältungen und Schnupfen als ein Jahr zuvor. 2010 war insofern kein Grippejahr. Der Krankenstand in Sachsen liegt über dem Bundesniveau von 3,4 Prozent. Dies liegt daran, dass die DAK-Mitglieder häufiger krank waren als im Bundesdurchschnitt: Je 100 Mitglieder zählte die DAK im letzten Jahr 126 Erkrankungsfälle (bundesweit 111). Der einzelne Krankheitsfall war in Sachsen mit durchschnittlich 11,4 Tagen etwa genauso lang wie im Bundesdurchschnitt (11,3 Tage). Untersucht wurden die Krankschreibungen von rund 70.000 erwerbstätigen DAK-Mitgliedern in Sachsen. Das Berliner Forschungsinstitut IGES hat den DAK-Gesundheitsreport 2011 für Sachsen erstellt. Schwerpunktanalyse: Junge Erwerbstätige im Fokus In den Mittelpunkt des Reports 2011 stellte die DAK die Gesundheit junger Arbeitnehmer bis zum Alter von 29 Jahren. Im Rahmen einer umfassenden Untersuchung führte sie auch eine repräsentative Befragung bei 3.000 jungen Erwerbstätigen durch. Die Befragungsergebnisse für Sachsen zeigen ein unerwartetes Ergebnis: Rund 63 Prozent der jungen Arbeitnehmer haben das Gefühl, mehr leisten zu können als im Job verlangt wird. Umgekehrt geben nur vier Prozent an, dass ihre Tätigkeit zu schwierig sei. „Die jungen Menschen wollen ihr Potenzial ausschöpfen. In der Arbeitsorganisation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte der Fokus nicht nur auf Überforderung und Burn-Out gerichtet sein, sondern auch darauf, wie sich Unterforderung auswirkt“, so Saur. Nicht nur Überforderung, sondern auch langanhaltende Unterforderung kann Stress erzeugen. Der Krankenstand junger Arbeitnehmer liegt unter dem Durchschnitt aller Berufstätigen. So beurteilen 18 Prozent der jungen Erwerbstätigen in Sachsen ihre Gesundheit als sehr gut und 62 Prozent als gut. Die Analysen decken jedoch auffällige gesundheitsrelevante Trends bei jungen Arbeitnehmern auf, die frühzeitiges Handeln erfordern, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Psychische Erkrankungen betreffen zunehmend auch Jüngere Psychische Erkrankungen steigen kontinuierlich. Davon sind auch Jüngere betroffen. Hier ist die häufigste Diagnose bei 15- bis 29-Jährigen die sogenannte „Somatoforme Störung“. Schon jeder zehnte junge Erwerbstätige in Sachsen leidet daran. Kennzeichnend für dieses Krankheitsbild ist, dass für körperliche Symptome, wie beispielsweise Schmerzen oder Herzbeschwerden, keine organische Ursache gefunden wird. Häufig sind diese Störungen von Depressionen begleitet. Bereits bei gut fünf Prozent der jungen Erwerbstätigen in Sachsen wurde mindestens einmal diese Diagnose gestellt. Junge Menschen leiden häufig auch unter Anpassungsstörungen. Damit sind Reaktionen auf schwere Belastungen (bedeutsame und kritische Lebensveränderungen) gemeint. Knapp sechs Prozent aller 15- bis 29-Jährigen waren davon betroffen. Alarmierend: Rauschtrinken hat hohe Akzeptanz Für viele junge Arbeitnehmer gehört Alkohol dazu, um beim Ausgehen Spaß und Vergnügen zu haben. Auch sehen sie die berufliche Leistungsfähigkeit oft nicht beeinträchtigt, wenn man sich am Vorabend betrinkt. Beim unkontrollierten Konsum von Alkohol auf Partys („Rauschtrinken“) ergibt sich folgendes Bild: 32 Prozent der jungen Erwerbstätigen in Sachsen nehmen mindestens einmal im Monat fünf oder mehr alkoholische Getränke in zwei bis drei Stunden zu sich. Bundesweit waren es mit 34 noch etwas mehr. „Alkohol steht bei Suchtmitteln an erster Stelle“, betont Saur. „Die zielgerichtete Prävention bleibt ganz oben auf der Tagesordnung und ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft“. Berufseintritt treibt Arztkontakte hoch Junge Erwerbstätige suchen deutlich häufiger einen Arzt auf als ihre Alterskollegen, die noch nicht berufstätig sind. Während junge Arbeitnehmer in Sachsen auf 7,6 Behandlungsfälle im Kalenderjahr kommen, sind es bei ihren nichtberufstätigen Altersgenossen nur 3,9 Behandlungsfälle im Jahr. Für den fast doppelt so häufigen Arztkontakt gibt es zwei Erklärungen: Jüngere Erwerbstätige gehen öfter zum Arzt, um Fehlzeiten gegenüber dem Arbeitgeber durch eine ärztliche Krankschreibung zu legitimieren. Nicht-Erwerbstätige warten zunächst ab, wie sich die Beschwerden entwickeln. „Es stellt sich die Frage, ob viele Arztbesuche vermeidbar wären. Eine ärztliche Krankschreibung ist nicht immer sofort, sondern in der Regel erst nach dem dritten Tag erforderlich“, gibt DAK-Chef Saur zu Bedenken. Die zweite Erklärung liegt darin, dass sich mit dem Berufsstart deutliche Veränderungen im Alltag ergeben. Längere Arbeitszeiten, körperliche Anstrengungen, Termindruck, konzentriertes Lernen und Arbeiten, langes Sitzen oder Stehen können dazu führen, dass junge Arbeitnehmer zunächst anfälliger für Krankheiten werden. In Sachsen beobachtet die DAK 2010 bei den jungen Arbeitnehmern zwischen 15 und 29 Jahren insgesamt 158 Krankmeldungen pro 100 Versicherte. Im Gesamtschnitt aller Erwerbstätigen waren es nur 126 Krankschreibungen. Krankheiten junger Arbeitnehmer: Schon mehr als jeder Fünfte wegen Rückenschmerzen in Behandlung Obwohl die jungen Arbeitnehmer häufig zum Arzt gehen, liegt der Krankenstand bei den 15- bis 29-Jährigen in Sachsen nur bei 3,3 Prozent. Er bleibt damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt aller Berufstätigen mit 3,9 Prozent. Hinter den Krankmeldungen junger Erwerbstätiger stehen vorrangig kurzzeitige Erkrankungen wie beispielsweise Infektionen, akut auftretende Erkältungen und Verdauungsbeschwerden. In Sachsen kommen junge Erwerbstätige auf insgesamt 37 Prozent mehr Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von Erkrankungen des Atmungssystems als der Durchschnitt. Bei infektiösen Erkrankungen sind es sogar 61 Prozent mehr Krankmeldungen. Auffällig ist, dass der Arzt schon bei jedem fünften jungen Erwerbstätigen Rückenschmerzen behandeln musste (21 Prozent). Ein noch kritischeres Bild zeigt die repräsentative Befragung: Hier gibt sogar mehr als die Hälfte an (54 Prozent), oft von Muskelverspannungen im Rückenbereich betroffen zu sein. Weitere häufig gestellte ärztliche Diagnosen bei Jüngeren in Sachsen sind Magen-Darm-Grippe, Bauch- und Beckenschmerzen und Heuschnupfen (jeweils zwölf Prozent), Asthma und Kopfschmerzen (jeweils acht Prozent) und Migräne (sechs Prozent). Besorgniserregend für den Gesundheitszustand junger Erwerbstätiger ist, dass bereits Fettsucht und Bluthochdruck (knapp sechs und sieben Prozent) zu den 50 häufigsten ärztlich behandelten Krankheiten gehören. Diese Ergebnisse zeigen, dass sich schon bei jungen Erwachsenen ernste und in der Behandlung teure Zivilisationskrankheiten entwickeln. „Hier lassen sich Warnsignale für spätere chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose erkennen“, kommentiert Saur die Zahlen. „Dies unterstreicht, wie wichtig frühzeitige Prävention ist“. Junge Arbeitnehmer: Jeder Fünfte erlebt Job als stressig In Sachsen sehen sich 76 Prozent der jungen Erwerbstätigen im Wunschberuf. 94 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Auffällig: 20 Prozent erleben ihren Arbeitsalltag als sehr belastend und stressig. 47 Prozent empfinden diesen als etwas belastend. Mehr als ein Viertel hält den Arbeits- und Zeitdruck für zu hoch (29 Prozent). Dauerhaft starke Arbeitsanforderungen können die Belastbarkeit überstrapazieren. Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten zählen bereits zu den häufigsten Beschwerden bei jungen Erwerbstätigen. Analyse der Krankheitsdaten aller Erwerbstätigen in Sachsen Über die Hälfte der Fehltage wird durch drei Krankheitsgruppen bestimmt: Die prominenteste Rolle im Krankheitsgeschehen spielen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes. Auf sie entfallen mehr als ein Fünftel (21 Prozent) aller Krankheitstage. An zweiter Stelle stehen Krankheiten des Atmungssystems mit einem Anteil von 18 Prozent am Krankenstand. An dritter Stelle der wichtigsten Krankheitsarten stehen mit 15 Prozent die Verletzungen und Vergiftungen. Branchenergebnisse Die Branche mit dem niedrigsten Krankenstand war 2010 der Handel mit 3,5 Prozent. Unter dem Durchschnitt lagen auch die Krankenstände bei Bildung, Kultur, Medien und Rechtsberatung/Unternehmensdienstleistungen mit 3,7 Prozent. Den höchsten Krankenstand über dem Durchschnitt gab es in den Branchen Gesundheitswesen, Baugewerbe und Sonstiges verarbeitendes Gewerbe mit jeweils 4,0 Prozent.
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