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Barmer GEK

Axel-Springer-Straße 44
10969 Berlin

Barmer GEK Medizinkongress:Flexiblere Bedarfsplanung für Psychotherapeuten


Pressemitteilung vom 29.6.2011
Die Barmer GEK bemängelt Ungleichgewichte in der psychotherapeutischen Versorgung. "Wir brauchen weniger Psychotherapeuten in den Städten und mehr auf dem Land", so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Rolf-Ulrich Schlenker heute zum Auftakt des gemeinsam mit dem Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen ausgerichteten Medizinkongresses der Barmer GEK in Berlin.

Schlenker verweist darauf, dass in Universitätsstädten wie Tübingen, Freiburg oder Göttingen das Bedarfssoll bis zu 300 Prozent, in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen bis zu 150 Prozent überschritten wird. Dagegen herrsche in ländlichen Gebieten und in Ostdeutschland ein Mangel an Spezialisten, insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Noch immer orientiere sich die psychotherapeutische Bedarfsplanung an klassischen Vollzeitstellen und individuellen Langzeittherapien. Schlenker: "Hier müssen wir unbedingt flexibler werden. Kurzzeit- und Gruppentherapien sowie schnelle Kriseninterventionen sind oftmals weitaus geeigneter. So lassen sich Kapazitätsengpässe überbrücken und Wartezeiten verringern." Durchschnittlich vergehen noch immer drei Monate bis zum Erstgespräch mit dem Psychotherapeuten, weitere drei Monate bis Behandlungsbeginn. "Diese Verzögerung erschwert eine angemessene Therapie und verlängert die Fehlzeiten am Arbeitsplatz."

Der Medizinkongress der Barmer GEK widmet sich in diesem Jahr dem Thema "Mehr Aufmerksamkeit für psychische Erkrankungen!" Die Veranstaltung will einen Überblick zur Häufigkeit, Diagnostik und Therapie solcher Erkrankungen geben und neue Versorgungskonzepte vorstellen. Hochkarätige Experten schneiden zentrale Fragen an: Haben Depressionen wirklich zugenommen oder werden sie nur häufiger diagnostiziert? Leiden Männer oder Frauen mehr unter psychischen Erkrankungen? Spiegeln Abhängigkeitserkrankungen individuelle Probleme in unserer Gesellschaft?

Der Initiator des Kongresses, Professor Gerd Glaeske vom ZeS, unterstreicht die wachsende Bedeutung psychischer Erkrankungen: "Der Anteil der psychischen Erkrankungen an der gesamten Krankheitslast steigt kontinuierlich an. Dabei dominieren Depressions- und Abhängigkeitserkrankungen. Die Behandlung darf nicht auf rasche Arzneimittelverordnungen beschränkt bleiben, was wir brauchen, ist eine Verschränkung von Psycho- und Pharmakotherapie. Außerdem ist eine enge Kooperation zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen unerlässlich." So könnten geschulte Praxisassistentinnen noch vor der ärztlichen Konsultation die Diagnostik unterstützen und eine erste Anamnese von Menschen mit Depression durchführen.

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